Der „normale“ Familienalltag in Zeiten von Corona – Eine Mama berichtet

Der „normale“ Familienalltag in Zeiten von Corona – Eine Mama berichtet

Hi, ich bin Jenni, 37 und Mama von zwei bezaubernden Kindern und werde aktuell von drei Fragezeichen über meinem Kopf begleitet. Seit ein paar Wochen ist der Alltag nicht mehr der, der er einmal war, und niemand weiß, wann sich die Normalität wieder einspielt. Doch was bedeutet „normal“ – hat sich nicht auch in unserem verdrehten Alltag etwas Normalität eingeschlichen? Bestimmen wir nicht selbst, was für uns normal ist, auch wenn es für andere unverständlich erscheint?

Ich möchte euch gern an meinem Alltag teilhaben lassen und an unseren verdrehten Routinen. Vor wenigen Wochen fing der Tag damit an, die Kinder morgens zu wecken – und alle Eltern kennen das leidige Wecken am frühen Morgen, damit die Kinder rechtzeitig in der Schule sind. Nebenbei habe ich auch geschaut, dass ich mich um mich kümmern kann, weil auch ich zeitig zur Arbeit losmuss. Zwischen Zähne putzen, schminken und Haare kämmen wurden die Kinder nochmal geweckt und ihnen kurz mitgeteilt, ob es warm oder kalt wird. Diskussionen über die Garderobe spare ich mir schon lange, denn es kostet nur zusätzliche Nerven und dieser kleine Mensch soll schließlich anziehen dürfen, worin er sich schön findet. Wenn dann endlich alle angezogen sind, Mamas Kaffeeduft durch die Küche zieht, noch schnell frühstücken, Brote für die Schule schmieren und auf geht’s. Da ich drei Tage pro Woche ganztags arbeite, bedeutet dies, dass die Kinder nach der Schule in die außerschulische Betreuung gehen und von dort aus von meinem Mann geholt werden oder zu meiner Schwester gehen. Teilweise komme ich erst um 18.30 Uhr nach Hause, daher bleibt auch am Abend wenig Zeit für die Familie, da alle müde von ihrem Tag sind.

Das alles ist aber nun auf den Kopf gestellt. Ich arbeite für ein Reisebüro und da wir extrem hart von der aktuellen Situation getroffen wurden, hat sich nicht nur mein privater, sondern auch beruflicher Alltag komplett verändert. Die Kinder werden morgens nicht von meinem Stress mitgezogen und dürfen ausschlafen. Während ich am Rechner sitze und Kundentelefonate führe, E-Mails beantworte und mit den Auswirkungen der Corona-Krise in unserer Branche konfrontiert werde, dürfen die beiden einfach Kind sein. Natürlich hat die Schule Unterrichtsstoff für zu Hause vorgesehen, aber dennoch sind sie frei in ihrem Alltag. Ich arbeite nicht mehr so lange wie vor der Krise, aber dafür täglich und es ist anstrengender als zuvor. Der Stress ist für mich geblieben, zeigt sich nur eben von der mentalen Seite.

Die Krise zeigt mir jedoch auch die schönen Seiten, denn ich bin froh, dass ich so viel zu Hause sein kann. Oft habe ich mich schlecht gefühlt, weil ich wenig zu Hause bin und meine Kinder ebenso lange Tage haben. Ich finde es schön, sie spielen zu sehen oder gemeinsam als Familie durch den Wald zu streifen und zu entdecken, mit welcher Schönheit sich der Frühling in allen Ecken zeigt. Mit anzusehen, wie sehr sich die beiden über bunt bemalte Steine freuen, die sich am Wegesrand zeigen, um sie dann wieder für andere Kinder zu verstecken, ist sichtbares Glück. All die Zeit mit den Kindern und die langen Spaziergänge sind für mich zu einer neuen Normalität geworden.

Ich freue mich aber, auch all meine Kolleginnen bald wieder in die Arme schließen zu können, die Bürotüre zu öffnen, Urlaubsträume wahr werden zu lassen und die Freiheit zu haben, nach Herzenslust Freunde zu treffen und über die Grenze zu dürfen. Hinzu kommt der Zusammenhalt in unserem Büro, der sich heute stärker als je zuvor zeigt, und ich bin froh, vor sechs Jahren in Turnschuhen und mit Baby im Buggy die Tür dieses Reisebüros geöffnet zu haben. Wir lachen und weinen zusammen, sind füreinander da – wir sind eine Büro-Familie und es erfüllt mich mit Dankbarkeit und Stolz. Und wie es dazu kam, dass ich diese Tür geöffnet habe, erzähle ich euch ein anderes Mal … Verliert nicht den Mut und fokussiert euren Blick auf das Schöne. Nichts ist so ausweglos, dass sich der Weg nicht neu zeigt.

Text: Jennifer Volders

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