Kampagne zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Kampagne zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

Ansatz

Die Frauenliga hat in Kooperation mit Prisma VoG anlässlich des „Internationalen Tages zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ eine Sensibilisierungskampagne ins Leben gerufen. Wir sehen uns als zivilgesellschaftliche Organisation verpflichtet aufzustehen und unsere Stimme zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ zu erheben. Die FRA – European Union Agency for Fundamental Rights – hat in einer repräsentativen europaweiten Studie in Erfahrung gebracht, dass jede dritte Frau (33%) seit ihrem 15. Lebensjahr bereits körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren hat. Häufig wird diese Gewalt durch den Partner ausgeübt. Die aktuell anhaltende Corona Krise und ihre Auswirkungen verstärken diese Tatsache noch erheblich. (https://fra.europa.eu/sites/default/files/fra_uploads/fra-2014-vaw-survey-at-a-glance-oct14_de.pdf)

All diese Erfahrungen schränken die persönlichen Freiheiten und die Lebens- bzw. Entwicklungschancen von Frauen stark ein. Die Folgen reichen von psychischen Beschwerden, wie Depressionen bis hin zu körperlichen Verletzungen und Schmerzen. Ebenso wirkt sich diese Gewalt auf das allgemeine Gesundheitsverhalten (Drogen- und Alkoholkonsum, …) aus. „Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bezeichnet Gewalt gegen Frauen als eines der größten Gesundheitsrisiken von Frauen weltweit.“ (https://www.frauen-gegen-Gewalt.de)

 

Corona und die Folgen für die Gesellschaft 

Viele Menschen standen unter einem enormen Druck vor allem zu Zeiten des Lockdowns. Aktuell befürchten viele Menschen sogar einen zweiten Lockdown. Der Lockdown im Frühjahr hat zwar viele Familien enger zusammenrücken lassen, andere wiederum mussten darunter enorm leiden, da sie in Kurzarbeit mussten,  ihre Arbeitsplätze verloren haben und/oder laufende Kreditraten nicht mehr bedienen konnten etc. Die Zahl der Menschen beispielsweise mit depressiven Verstimmungen ist zu Zeiten des Lockdowns signifikant gestiegen, eben vor allem, weil diese Menschen existenzielle Ängste verspürten/noch verspüren. 

Nicht jeder/jede in unserer Gesellschaft hat das  Privileg ein großes Haus mit Garten oder eine große Wohnung mit Balkon  zu besitzen. Das Zusammenleben auf engstem Raum führt zu Konflikten, vor allem in den häufig patriarchal geprägten Familien. Diese Krise hat schon wieder gezeigt, dass es besonders die Schwächsten in unserer Gesellschaft trifft. 

 

Zunahme häuslicher Gewalt während des ersten Lockdowns

Häusliche Gewalt ist selbstredend nicht nur ein Phänomen, das wir während der Corona Pandemie erleben, sondern dieses Problem wurde vielmehr durch die meist angespannte Situation im Lockdown erheblich verschärft. Laut dem belgischen Rundfunk meldete die Weltgesundheitsorganisation am 5. Mai 2020, dass mehrere europäische Länder, wie Belgien, Spanien, Frankreich und Großbritannien einen Anstieg von zwischenmenschlicher Gewalt verzeichneten. Um 60 Prozent seien dabei die Notrufe von Frauen, die Gewalt durch ihre Partner erlitten, im Vergleich zum Monat des Vorjahres angestiegen. Diese Tatsache ist Grund genug für die Frauenliga aktiv zu werden! Wir vertreten jede Frau in unserer Gesellschaft und vor allem die Frauen, die sich nicht artikulieren und entsprechend ihre Stimme erheben können. Die Hauptkompetenz in Sachen „Gewalt gegen Frauen“ liegt in Ostbelgien zweifelsfrei in  den Händen von Prisma. Dennoch sind auch wir als Frauenorganisation eine Anlaufstelle für viele Frauen in Ostbelgien und können dann gegebenenfalls auf unsere Kooperationspartner verweisen, sollte spezifischere Hilfe benötigt werden, als wir sie anbieten können.

 

Ein geschichtlicher Exkurs

Frauenrechte sind Menschenrechte! Jeweils am 25. November eines jeden Jahres wird der „Internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ gefeiert. Bereits seit 1981 veranstalten Frauenrechtsaktivistinnen und Menschenrechtsorganisationen auf der ganzen Welt an diesem Tag Aktionen, um auf Menschenrechtsmissstände gegenüber Frauen und Mädchen, hinzuweisen. Im Fokus standen und stehen dabei heute noch die Themen häusliche Gewalt, Zwangsheirat, sexueller Missbrauch, Zwangsprostitution, Vergewaltigung und Genitalverstümmlung. Ferner zählen subtilere Formen wie Demütigungen, Beleidigungen und Einschüchterungen zu Gewalt gegen Frauen, und auch digitale Gewalt breitet sich immer mehr aus. Es betrifft Frauen und Mädchen aus allen gesellschaftlichen Schichten und dies  grenzüberschreitend. Gewalt gegen Frauen und Mädchen hat weitreichende Folgen für die Betroffenen selbst, aber auch für ihr Umfeld, die Familie und die Gesellschaft. Darüber hinaus ist Gewalt gegen Frauen und Mädchen ein Hindernis in der Verwirklichung von Gleichstellung, Entwicklung, Frieden und vor allem der Wahrung der Menschenrechte. 

Der 25. November wurde gewählt, um den Mirabal-Schwestern zu gedenken. Die politischen Aktivistinnen aus der Dominikanischen Republik wurden auf Befehl des damaligen Diktators Rafael Trujillo entführt, gefoltert, vergewaltigt und schließlich im Jahr 1960 ermordet. Im Jahr 1999 verabschiedeten die Vereinten Nationen eine Resolution, die den 25. November zum „Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen“ ernannt hat. Damals zeigte sich die Generalversammlung der Vereinten Nationen „beunruhigt darüber, dass Frauen nicht in den vollen Genuss ihrer Menschenrechte und Grundfreiheiten kommen, und besorgt darüber, dass es nach wie vor nicht gelungen ist, diese Rechte und Freiheiten im Falle von Gewalt gegen Frauen zu schützen und zu fördern“. 

Mit diesem offiziellen Gedenktag werden Regierungen  und internationale Organisationen aufgefordert, im Verbund die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und Strategien zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen zu initiieren. Leider blieb in der Corona Pandemie und während der Regierungsbildung Belgiens ein Bericht fast unbemerkt: der des GREVIO-Komitees (Expertengruppe für die Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt), zuständig für die Bewertung der Umsetzung der von Belgien im Jahre 2016 unterzeichneten und ratifizierten Istanbuler Konvention des Europarates – eines verbindlichen europäischen Abkommens zur Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Laut Amnesty International hat Belgien gerade einmal 20% der darin enthaltenen Punkte erfüllen können.  

Wir sollten hierbei nicht vergessen zu erwähnen, dass im Herbst des Jahres 2017 die #meetoo Bewegung ihren Lauf nahm. Prominente Menschen äußerten sich öffentlich zu sexuellen Übergriffen, die sie während ihrer beruflichen Laufbahn erlebt haben. Viele Frauen, aber auch Männer solidarisieren sich im Rahmen der #meetoo Bewegung, um Missstände am Arbeitsplatz, an Schulen, im Privatleben anzuprangern. Auch wir möchten unseren Unmut über die stets prekäre Situation von Frauen bekunden. Es sollte nicht unerwähnt bleiben, dass auch Männer Opfer von sexuellen Übergriffen oder häuslicher Gewalt sein können. Frauen sind statistisch jedoch stärker hiervon betroffen.

 

Projektgliederung 

Plakataktion – „Männlichkeit entscheidest Du!“

Wir werden die Plakataktion „Männlichkeit entscheidest Du“ in die Deutschsprachige Gemeinschaft übertragen. Die aus Schleswig-Holstein stammende Aktion nimmt gezielt das vorherrschende Männlichkeitsbild in den Fokus. „Die Vorstellung, dass ein Mann männlich ist, wenn er die Kontrolle und Oberhand über andere behält, ist noch immer weit verbreitet. Diese sogenannte toxische Männlichkeit ist die Wurzel für Abwertung, Sexismus und letztlich körperliche Gewalt gegen Frauen.“ (https://ab-jetzt.org/mannlichkeit-entscheidest-du-2/) Das Ziel der Aktion ist, dieses Männlichkeitsbild zu revidieren und zu emanzipieren und dadurch die Frauen, die von Gewalt bedroht sind, zu unterstützen. Den Fokus auf das Männlichkeitsbild zu haben ist eine in der Öffentlichkeit neue  Herangehensweise, die uns sehr zusagt und die wir als sehr wichtig und notwendig erachten. Zur Verdeutlichung besuchen Sie gerne die Internetseite der bereits bestehenden Kampagne. (https://ab-jetzt.org/mannlichkeit-entscheidest-du-2/ 

Geplant ist im kommenden Jahr eine eigene Fotostrecke mit Männern aus Ostbelgien und deren Statements zum Thema „Gewalt gegen Frauen“ zu entwickeln, sprich eine neue Version von „Männlichkeit entscheidest Du!“ aus Deutschland übertragen auf Ostbelgien.

 

Bewerbung der  Kampagne   

  • Citylights

An zwölf belebten Standorten in der gesamten Deutschsprachigen Gemeinschaft werden vom 11.11 bis zum 30.11.2020 diese Plakate in den beleuchteten Citylights zu sehen sein.

 

 

  • In den sozialen Medien

Begleitung der Kampagne in den sozialen Medien bei Facebook, Instagram, sowie auf der Frauenliga Webseite (www.frauenliga.be). Wir möchten gerne eine Vielzahl von Menschen sensibilisieren und vor allem die junge Generation mit diesem Medium erreichen. 

Mehr als die Hälfte der Belgier besucht mindestens ein Mal täglich soziale Netzwerke. 80 % sind es sogar bei den 16- bis 24-Jährigen. (https://statbel.fgov.be/de/nachrichten/fuer-62-der-belgischen-internetnutzer-ist-social-media-eine-taegliche-gewohnheit) Die Frauenliga möchte ohnehin in den folgenden Jahren vermehrt junge Menschen motivieren und als Multiplikatoren für frauenspezifische Themen gewinnen. Aufgrund des demographischen Wandels muss das Angebot sowohl für junge  Menschen als auch für die zunehmend alternde Population attraktiv bleiben.  

  • In den Printmedien 

Das Grenzecho ist die einzige Tageszeitung in der Deutschsprachigen Gemeinschaft und von daher ist es sehr wichtig, auch hier die Kampagne zu bewerben.

Der Wochenspiegel und der Kurier sind kostenlose Zeitungen, die wöchentlich in fast jedem Briefkasten liegen, sogar auch in den  angrenzenden wallonischen Städten und Luxemburg. Hiermit vergrössert sich der Wirkungsgrad der Sensibilisierungskampagne.

Anna-lyse: Die Frauenliga bringt jährlich für ihre über 300 Mitfrauen (-männer) drei Printversionen heraus. Seit diesem Jahr erscheint die Anna-lyse online und wird im social media Bereich mit der Frauenliga Webseite verlinkt. Die Frauenliga möchte sich verjüngen und vermehrt dort unterwegs sein, wo sich die jungen Menschen aufhalten.

 

Liebe Männer, liebe Frauen, lasst uns solidarisch sein und gemeinsam die Missstände in unserer Gesellschaft anprangern!

 

Eine Initiative der Frauenliga/vie féminine VoG in Kooperation mit Prisma VoG mit der Unterstützung des Ministeriums der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und der Stadt Eupen.