Ein Stofftierbaum als Zeichen gegen Gewalt

Ein Stofftierbaum als Zeichen gegen Gewalt

Am Donnerstag, dem 24. September, fand von 18 bis 20:30 Uhr mit ca. 53 BesucherInnen im Park des ÖSHZ in Kelmis die Eröffnung des Stofftierbaums statt. Damit fiel zugleich der Startschuss für eine Themenreihe, die sich in den kommenden Monaten mit unterschiedlichen Aspekten von häuslicher und sexualisierter Gewalt beschäftigt.

Die Idee des Stofftierbaums stammt von Uwe Koeberich und wurde bereits im Jahr 2019 in Eupen umgesetzt. In Kelmis wird die Aktion vom Rat für Zusammenleben und zahlreichen weiteren Akteuren begleitet.

Warum ein Stofftierbaum?

Stofftiere stehen für Kindheit: Sie sind weich, bunt, freundlich und vermitteln Geborgenheit. Zu Beginn hängen sie hübsch, makellos und plüschig am Baum – so, wie ein Kinderleben eigentlich sein sollte: sicher, unbeschwert und voller Möglichkeiten.

Doch der Stofftierbaum steht im Freien. Wind, Regen, Sonne und andere äußere Einflüsse hinterlassen mit der Zeit ihre Spuren. Die Stofftiere werden grau, nass und unansehnlich. Je länger und stärker sie der Witterung ausgesetzt sind, desto deutlicher werden die Veränderungen.

Genau das soll die Auswirkungen von sexuellem Missbrauch und Gewalt auf Kinder und ihr Leben symbolisieren.

Gewalt hinterlässt Spuren – auch wenn diese nicht immer sofort sichtbar sind. Kinder, die Gewalt erleben, sind den Einflüssen oftmals schutzlos ausgeliefert. Was von außen zunächst vielleicht kaum erkennbar ist, kann ihre Entwicklung, ihr Wohlbefinden und ihr weiteres Leben nachhaltig beeinflussen.

Der Stofftierbaum soll deshalb vor allem eines: zum Hinschauen anregen. Er erinnert daran, aufmerksam zu sein, Warnsignale ernst zu nehmen und Kindern sichere Orte und verlässliche Unterstützung zu bieten.

Prävention hat viele Seiten

Mit der Eröffnung des Stofftierbaums beginnt in Kelmis eine mehrmonatige Veranstaltungsreihe unter der Regie des Rates für Zusammenleben sowie zahlreichen weiteren Akteuren.

Verschiedene Angebote richten sich an Kinder und Jugendliche, Eltern, Fachkräfte und alle Interessierten. Dabei werden unterschiedliche Themen rund um Gewalt, Schutz, Prävention und ein achtsames Miteinander aufgegriffen.

Denn Prävention beginnt nicht erst dann, wenn etwas passiert ist. Sie beginnt mit Aufmerksamkeit, Wissen, Austausch und gemeinsamem Handeln.

 

Das vollständige Programm der kommenden Monate findet ihr hier:

Wir sagen NEIN! Zu sexualisierter und häuslicherGewalt! : Frauenliga | La vie féminine

 

Bewegend war auch die Eröffnungsrede von Isabelle Weykmans, die die Intention der Veranstaltung sehr gut wiedergegeben und wohl niemanden kaltgelassen hat.

Hier nochmals zum Nachlesen für alle, die nicht dabei sein konnten:

 

Eröffnung Stofftierbaum 24.9.26, Kelmis

Isabelle Weykmans

Ich darf sie alle ganz herzlich begrüßen und möchte mich bei Uwe Koeberich und seinen Kollegen des Beirates schon zu Beginn bedanken. Sie haben in zahlreichen Stunden der Besprechungen und Vorbereitungen ein ganzes Programm aufgestellt zum Thema Schutz der Kinder, der gefährdeten Gesellschaftsgruppen so auch der Frauen vor Gewalt und sexualisiertet Gewalt. Als Uwe mich gebeten hat heute dazu zu sprechen war ich sehr berührt, dass er mich gewählt hat, und zu gleichen Zeit wurde mir wieder bewusst, dass es leider ein immer fortwirkendes Engagement braucht, um diesem Krebsgleichen Geschwür in unserer Gesellschaft entgegenzutreten und stetig achtsam und aktiv zu sein um die verletzliche Mitte unserer Welt, unsere Kinder zu schützen und gesund wachsen zu lassen.

Kinder sind wie ein unbeschriebenes Blatt Papier, auf das wir jeden Tag mit unseren Worten, Gesten und Taten schreiben. Sie kommen mit einem unerschütterlichen Vertrauen in diese Welt – mit Augen, die das Schöne suchen, und Herzen, die bedingungslos lieben wollen. Sie sind die verletzlichste Mitte unserer Gesellschaft und zugleich unsere gesamte Zukunft.

Ein Kind zu schützen, bedeutet es vor körperlichen Gefahren zu bewahren. Es bedeutet ebenso, ihm einen Raum zu schenken, in dem es laut sein darf, ohne Angst zu haben. Einen Raum, in dem es weinen darf, ohne beschämt zu werden, und in dem seine Fragen nicht ungehört verhallen. Echter Schutz ist emotionale Sicherheit. Es ist das Wissen des Kindes: „Egal was passiert, hier bin ich sicher. Hier werde ich gehalten.“

In einer oft lauten, schnellen und fordernden Welt vergessen wir Erwachsenen manchmal, wie klein die Schritte eines Kindes sind. Wie tief ein unfreundliches Wort treffen kann und wie lange der Schatten eines Misserfolgs nachwirkt, wenn niemand da ist, der die Hand hält. Kinderseelen sind wie feines Kristall. Wenn sie einmal Risse bekommen, heilen sie nur langsam, und die Narben bleiben oft ein Leben lang sichtbar. Was dann Gewalterfahrungen und sexueller Missbrauch für nachhaltige Auswirkungen auf unsere Kinder haben ist selbstredend.

Schutz bedeutet auch Achtsamkeit. Hinsehen, wo andere wegsehen. Zuhören, wenn die Stimme eines Kindes leise wird oder ganz verstummt. Wir tragen die Verantwortung dafür, dass Kinder eine Kindheit erleben dürfen, die diesen Namen auch verdient: eine Zeit des Entdeckens, des Spielens, des unbeschwerten Wachsens. Oder um es mit den Worten meines Freundes, Uwe, zu sagen Reden ist Silber, schweigen ist Gold doch bei sexueller Gewalt hilft Reden und Hinsehen.

Lassen Sie uns den Kindern nicht nur ein Dach über dem Kopf geben, sondern einen sicheren Hafen für ihre Seelen. Schenken wir ihnen Geduld, wenn sie Fehler machen, und Zuversicht, wenn sie zweifeln. Denn das größte Schutzschild, das wir einem Kind mit auf den Weg geben können, auch wenn dieser leider mit großen Steinen verletzt wird, ist das tiefe, unerschütterliche Gefühl, genau so, wie es ist, gewollt, geliebt und wertvoll zu sein.