Volles Haus, offene Gespräche und ein wichtiges Signal: Wechseljahre gehören in die Öffentlichkeit
Gemeinsam mit dem BRF hat die Frauenliga zur Podiumsdiskussion „Wechseljahre und Hormone: Mit 55 fitter als mit 40?!“ eingeladen. Das große Interesse und die vielen Fragen des Publikums haben einmal mehr gezeigt, wie wichtig es ist, die Wechseljahre aus der Tabuzone zu holen und Frauen mit fundierten Informationen zu unterstützen.
Kein Sitzplatz blieb frei im BRF-Funkhaus: Zahlreiche Frauen waren am Donnerstagabend gekommen, um mehr über die Wechseljahre, hormonelle Veränderungen und mögliche Behandlungsmöglichkeiten zu erfahren. Durch den Abend führte BRF-Moderatorin Simonne Doepgen. Auf dem Podium diskutierten die Gynäkologin Dr. Laetitia Rousseau, die Naturheilpraktikerin Michaela Schumacher-Fank, die Menopause-Coachin und gelernte Krankenschwester Miriam Mau sowie der Gynäkologe Dr. Stephan Krehwinkel.
Es wurde informiert, nachgefragt, offen über persönliche Erfahrungen gesprochen – und auch gelacht. Gerade diese Mischung machte den Abend besonders. Denn die Wechseljahre betreffen viele Frauen, und dennoch fehlt es häufig an Wissen, Austausch und einer verständlichen Aufklärung über die Veränderungen, die diese Lebensphase mit sich bringen kann.
Wissen darf keine Frage des Zufalls sein
Für die Frauenliga ist klar: Informationen über die Wechseljahre müssen selbstverständlich werden – in der medizinischen Versorgung, in der Gesellschaft und auch am Arbeitsplatz. Frauen sollten nicht erst dann Antworten finden, wenn Beschwerden ihren Alltag erheblich beeinträchtigen oder sie zufällig auf eine gut informierte Fachperson treffen.
Viele Frauen erleben in dieser Lebensphase körperliche und psychische Veränderungen, die sich auf ihr Wohlbefinden, ihre Beziehungen und ihren Berufsalltag auswirken können. Umso wichtiger ist es, Symptome ernst zu nehmen, medizinische Zusammenhänge verständlich zu erklären und unterschiedliche Möglichkeiten der Unterstützung aufzuzeigen.
Der große Andrang bei unserer gemeinsamen Veranstaltung mit dem BRF hat deutlich gemacht, wie groß der Informationsbedarf ist. Die vielen Fragen aus dem Publikum haben uns darin bestärkt, dass wir über dieses Thema sprechen müssen – offen, sachlich und ohne Scham.
Unser Wunsch ist es, dass Wissen über die Wechseljahre dauerhaft und selbstverständlich vermittelt wird. Nicht nur bei einzelnen Themenabenden, sondern als fester Bestandteil von Gesundheitsaufklärung und medizinischer Beratung.
Gute Behandlungsmöglichkeiten – und weiterer Forschungsbedarf
Auch bei der Behandlung hormoneller Veränderungen gibt es bereits wichtige Möglichkeiten. Die Hormonersatztherapie kann für viele Frauen eine wirksame Unterstützung sein, sofern sie individuell medizinisch abgeklärt wird. Sie kann Beschwerden lindern und dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern.
Gleichzeitig darf die Entwicklung nicht stehen bleiben. Wir wünschen uns, dass die Forschung weiter vorangetrieben wird und Frauen auch künftig von neuen Erkenntnissen und verbesserten Behandlungsmöglichkeiten profitieren.
Ein Bereich, in dem weiterer Forschungs- und Entwicklungsbedarf besteht, ist die Testosterontherapie für Frauen. Testosteron spielt auch im weiblichen Körper eine Rolle. Bei bestimmten Frauen, insbesondere bei diagnostizierter sexueller Lustlosigkeit, die als belastend erlebt wird, kann eine Testosteronbehandlung unter ärztlicher Begleitung infrage kommen. Zugelassene und speziell für Frauen entwickelte Präparate sind jedoch in vielen Ländern nicht verfügbar. Hier braucht es mehr Forschung, geeignete Dosierungen und sichere, auf Frauen abgestimmte Behandlungsmöglichkeiten.
Dabei geht es nicht darum, eine bestimmte Therapie für alle Frauen zu fordern. Es geht darum, dass Frauen Zugang zu wissenschaftlich fundierten Informationen und zu geeigneten, individuell abgestimmten Behandlungen erhalten. Ihre Beschwerden und Bedürfnisse müssen ernst genommen werden.
Gemeinsam weiterreden und Veränderungen anstoßen
Der Abend im BRF-Funkhaus war für uns mehr als eine gut besuchte Veranstaltung. Er war ein Zeichen dafür, dass Frauen über die Wechseljahre sprechen möchten und dass ein großer Bedarf an Austausch und Aufklärung besteht.
Wir bedanken uns beim BRF für die gemeinsame Organisation, bei allen Podiumsgästen für ihre fachlichen Beiträge und beim Publikum für die Offenheit und die vielen Fragen.
Unser Anliegen bleibt: Die Wechseljahre sollen kein Tabuthema mehr sein. Frauen sollen verstehen, was in ihrem Körper geschieht, ihre Beschwerden ernst nehmen dürfen und wissen, wo sie Unterstützung finden.
Denn Veränderungen sind normal. Beschwerden können dazugehören – aber keine Frau sollte damit allein bleiben.
