29 Koffer für 29 nicht gelebte Neuanfänge

29 Koffer für 29 nicht gelebte Neuanfänge

In Gedenken an die Opfer von Femiziden.
Im Einsatz für einen „Pack Nouveau Départ“ für alle Frauen, die einen gewalttätigen Partner verlassen wollen.
Denn keine Betroffene von häuslicher Gewalt sollte ihr Leben riskieren müssen, um gehen zu können.

Am vergangenen Freitag sind wir gemeinsam mit rund 50 engagierten Frauen in einem symbolischen Trauerzug zum Kabinett des föderalen Ministers für Chancengleichheit, Rob Beenders, gegangen. Unser Anliegen: mehr Schutz für Frauen, die von häuslicher Gewalt und Partnerschaftsgewalt betroffen sind, und einen verbindlichen „Pack Nouveau Départ“ für ganz Belgien.

Mit dabei: 29 Koffer.

29 Koffer für 29 Frauen, die 2025 keinen Neuanfang mehr erleben konnten. 27 direkte und zwei indirekte Femizide, darunter ein 6 jähriges Mädchen, wurden vom assoziativen Sektor gezählt. Hinter jeder Zahl steht ein Leben, eine Geschichte, eine Familie, Menschen, die zurückbleiben.

Es waren ergreifende Momente. Die 29 Koffer im öffentlichen Raum und die Begegnungen und Berichte von Überlebenden von häuslicher Gewalt haben sichtbar gemacht, worum es geht: um Leben, um Sicherheit und um die Möglichkeit, eine gewaltvolle Beziehung zu verlassen und danach ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Ein sicherer Neuanfang muss möglich sein

Eine gewaltvolle Beziehung zu verlassen, bedeutet nicht einfach, eine Tür hinter sich zu schließen. Für viele Frauen beginnt damit eine besonders gefährliche und schwierige Phase. Sie brauchen Schutz vor weiterer Gewalt, finanzielle Sicherheit, eine Unterkunft, rechtliche Beratung, Unterstützung bei der Arbeitssuche und Hilfe beim Aufbau eines neuen Lebens.

Genau hier setzt der „Pack Nouveau Départ“ an, für den wir uns gemeinsam mit Vie Féminine, Furia und weiteren Partnerorganisationen einsetzen.

Wir fordern ein koordiniertes Unterstützungsangebot für alle Frauen, die ihren gewalttätigen Partner verlassen möchten – unabhängig von ihrem Status.

Der Pack soll insbesondere umfassen:

  • echten Schutz und Sicherheit beim Verlassen des gewalttätigen Partners
  • finanzielle Soforthilfe
  • einen zentralen Anlaufpunkt für soziale und juristische Unterstützung
  • Begleitung beim Zugang zu Arbeit und finanzieller Unabhängigkeit
  • eine koordinierte Unterstützung beim Wiederaufbau eines selbstbestimmten Lebens

Denn Gewalt gegen Frauen darf nicht erst dann zum Thema werden, wenn es zu spät ist. Prävention, Schutz und konkrete Unterstützung müssen bereits beim Ausstieg aus einer gewalttätigen Beziehung greifen.

29 Koffer sind 29 zu viele

Die Aktion vom Freitag war deshalb mehr als eine symbolische Geste. Sie war ein Moment des Gedenkens, aber auch ein Moment der Entschlossenheit. Wir haben der Opfer von Femiziden gedacht, die Stimmen von Frauen, die Gewalt überlebt haben, gehört und unsere Forderung nach einem starken und verbindlichen „Pack Nouveau Départ“ in den öffentlichen Raum getragen.

Auf politischer Ebene gibt es inzwischen erste Schritte: Auf Brüsseler Ebene soll ein entsprechender Pack mit einer zentralen Anlaufstelle entstehen. Auch auf Ebene der Interministeriellen Konferenz (CIM) wurde eine Vereinbarung getroffen, die weitere Arbeit vorsieht. Zudem soll der „Pack Nouveau Départ“ voraussichtlich im Nationalen Aktionsplan 2026–2030 verankert werden.

Doch wir wissen auch: Entscheidend ist, was daraus konkret wird. Ein Konzept allein schützt keine Frau. Unterstützung muss schnell, zugänglich, koordiniert und tatsächlich wirksam sein.

29 Koffer sind 29 zu viele.

 

Großer Trugschluss für 2026

Wer auf stopfemicide.blogspot.com nachliest, kann leicht Hoffnung schöpfen – denn hier sind für 2026 „nur“ 8 Frauen dokumentiert.  Victimes/Slachtoffers

Leider ist dies ein Trugschluss und es ist nicht von einer Verbesserung der Lage auszugehen. Die im Jahresvergleich auffällig geringe Zahl liegt darin begründet, dass die Stelle, die die Fälle prüft, als Femizid einstuft und registriert, nicht mehr weiter finanziert wird.

Eine weitere Quelle gibt es landesweit nicht – was ist also die Folge? Keine Femizide mehr, keine Präventionsmaßnahmen mehr? Die Folgen dieser Nicht-Dokumentation sind nicht abzusehen …

Darum werden unsere Organisationen weiter gemeinsam weiter hieran arbeiten, Kampagnen und Aktionen umsetzen, aufmerksam machen und uns einmischen.


So lange es nötig ist. Bis keine Frau mehr auf diese Art sterben muss.

 

Links:

Artikel Bruxelles Today